Thursday, 18 December 2014

Winter!




Es ist Winter in Grimms Buchladen, auch wenn draussen - mal wieder - entgegen unseren Wünschen (weiße Weihnacht war bestellt) Frühlingstemperaturen herrschen. Wir halten mit Unmengen von Tiefschnee in unserem Schaufenster fleißig dagegen.

Dazu muß man natürlich Bücher lesen! Im Fernsehen war am Abend der Dokumentarfilm "War Photographer" über James Nachtwey zu sehen - dabei Distanz zum Thema zu wahren ist schwer möglich. Anschließend möchte man weiter über die Macht der Bilder in unserer modernen Welt nachdenken und sollte sich mit Helmut Lethen's Abhandlung: der Schatten des Fotografen befassen.


Um alles zu vergessen liest man dieses Jahr am besten die ersten beiden Krimis der Harry Potter Autorin J.K Rowling: unter dem pseudonym "Robert Galbraith" veröffentlicht sie mit der Ruf des Kuckucks und der Seidenspinner zwei Detektivgeschichten im klassischen Raymond Chandler Stil, angesiedelt im modernen London. Fantastische Protagonisten über die man immer mehr erfahren möchte, exzellent geschrieben, äußerst spannend ohne endlose Mengen von Leichen und Grausamkeiten anhäufen zu müssen: das sind Bücher, die so richtig Freude machen.

Zu dumm, daß man auf die nächsten warten muß!

Saturday, 14 December 2013

Mal wieder...Weihnachten!


Irgendwie ist das jedes Jahr eine Überraschung. Eine schöne! Denn eigentlich liebe ich ja den Winter, den Schnee, diese Zeit der warmen Häuser. Bücherlesen geht einfach besser wenn es draußen kalt und dunkel ist.

Leider hat sich der Schnee dieses Jahr verirrt und ist statt auf Grimms Buchladen auf Kairo und den Sinai gefallen. Ich werde mich mal offiziell bei unserem Wettermann (im Haus lebt Mr. Wetter vom MDR) beschweren. In der Zwischenzeit erfreue ich mich am tief verschneiten New York auf dem Cover von Paul Austers Auggie Wrens Weihnachtsgeschichte. Eine wunderschöne kleine Erzählung, mit ebenso schönen schwarz-weiß Bildern der winterlichen Stadt.
 

Für die Weihnachts-Verächter und Winter-Hasser gibt es statt dessen: Weihnachten mit Loriot. Grundsätzlich immer eine Freude.
Schöne Feiertage, und: falls Sie den Schnee gesehen haben, schicken Sie ihn bitte nach Kreuzberg!

Saturday, 5 October 2013

Herbst!



 
Schon fallen wieder die kleinen gelben Blätter von den Bäumen vor Grimms Buchladen. Jeden Morgen fegen wir sie weg, nicht ganz einfach denn vor dem Laden selbst sind würfelartige Pflastersteine, in deren Ritzen die Blätter hängen bleiben. Hat man sie dann endlich da heraus gefegt, kommt ein Windstoß und weht alles wieder zurück. So geht das jetzt bis Dezember, dann geht das Schneeschieben und Rollsplitt-Fegen los.
 
 
Trotzdem, ich liebe den Herbst! Klare, kalte Tage mit blauem Himmel und intensiver Sonne. Irgendwie haben alle gute Laune, Berlin ist wuselig und schön. Dazu lese ich mal wieder Gedichte und freue mich über und auf die jährliche Veränderung – bald schon kommt Schnee!
 
Der Herbst
 
Der Herbst ist ein hellgelber Strauch
mit unbekanntem Namen
und Spuren Gold oder auch
ein feiner Geruch, ist ein Hauch
von Worten, die wortlos kamen
 
und wortlos blieben. Die Luft
ist nun ein goldener Rauch.
Ein unbekannter Duft
ist stärker als alle Namen.
Und namenlos brennt der Strauch
für alle, die spät noch kamen,
vergingen im goldenen Rauch.
 
Karl Krolow (aus: Herbstgedichte, Reclam, 7,95)

Thursday, 24 January 2013

2013 ist da!



Zum Jahresanfang ist der Buchladen mal ganz anders: streng, schwarz, elegant. Bücher gibt es in schwarzweiß, aber auch nach wie vor in Farbe!





Viel Freude im neuen Jahr,

Grimms Buchladen

Tuesday, 11 December 2012

Weihnachts-Tester


 

Es ist wieder soweit – Alles ist weiß, was bedeutet: Weihnachten ist jede Minute hier. Kaum hatten wir neulich mein dick verpacktes Patenkind mit vereinten Kräften aus den Lagen von Mützen, Schals, Schneeoverall, Fellweste etc hervorgeschält, wollte sie wieder raus in den Schnee. Mutter und Patentante wollten aber Kaffee trinken. Also wurde das Patenkind kurzerhand zum Buchladen-Testobjekt erklärt und bekam Annette Mosers Das kleine Reh und das Weihnachtswunder in die Hand gedrückt. Ein wunderbares Buch für Kleine, in dem das Reh Finn seinen ersten Schnee erlebt – am Ende steht mit Hilfe diverser Tiere ein weihnachtlich geschmückter, tiefverschneiter Wald. Hier und dort glitzert es ein wenig – der Gesamteindruck ist gerade kitschig genug, aber im Grunde stimmungsvoll und ein bisschen verzaubert.



Das wir hier meinen neuen Weihnachtsrenner vor uns haben war in dem Moment klar, in dem das zappelige Patenkind das neue Buch aufklappte und laut „EIERLOCH!“ rief. Bei einem Sprach-Gesamtumfang von vier (!) Wörtern ist dies eine ganz besondere – vielleicht sogar die allerhöchste - Auszeichnung. Selten wurde mir ein Buch so deutlich ans Herz gelegt.

 

Wenn Sie ein Eierloch-Buch für Erwachsene wünschen, kann ich Ihnen das neueste Werk von Christoph Ransmayr empfehlen: Atlas eines ängstlichen Mannes. Ransmayr, ein scheuer, zurückgezogener Mensch beschreibt in 40 (autobiografischen) Episoden Situationen aus dem Leben eines Wanderers um die Welt. Seine direkte, unverstellte Sprache erreicht den Leser mit minimalem Aufwand. Jede Episode beginnt mit den Worten: Ich sah.

„Ich sah die Heimat eines Gottes auf 26° 28´ südlicher Breite und 105° 21´ westlicher Länge…“

„Ich sah einen kahlgeschorenen Greis an einem Sandstrand nahe der Grenze…“

„Ich sah den Nachthimmel über den Graten und Höhenzügen…“
 

Was soll man sagen? Eierloch, eben. 
 
Ansonsten: Fröhliche Weihnachten!

 

Thursday, 4 October 2012

So, es ist Herbst!


 

Morgens kehre ich vor dem Buchladen die ersten Blätter zusammen und bin zwei Tage lang unter den Büschen herumgekrochen, um Kastanien, Eicheln, Blätter, Äste und andere passende Materialien für das Schaufenster einzusammeln. Dabei bedachte man mich vor allem in Spielplatznähe mit mißtraurischen Blicken. Eltern und Kindern sei gesagt: ich habe nur einer Kolonie Ameisen ein warmes Zuhause gegeben – sie sind mit den Kastanienzweigen bei uns eingezogen und krabbeln jetzt fröhlich über die Bücher!



Passend zu den kürzer werdenden Tagen las ich zur Abwechslung einen Roman, der sich im Bereich des Fantastischen bewegt und dabei mit einer wunderschönen, intelligenten Erzählweise gesegnet ist - Erin Morgenstern: Der Nachtzirkus.


Wie aus dem Nichts erscheint der Zirkus der Träume über Nacht an seinem jeweiligen Standort – und verschwindet ebenso plötzlich wieder. Er verzaubert seine Besucher, die nur Nachts Einlass finden, mit immer neuen wundersamen Attraktionen. Doch eigentlich ist der Zirkus die Arena zweier Magier, die einen Wettstreit ausfechten um zu bestimmen, welche Art die Wirklichkeit zu beeinflussen erfolgreicher ist. Intuition steht gegen Intellekt – das Duell, das nur durch den Tod einer der Kontrahenten entschieden werden soll, wird durch Freundschaft und Liebe kompliziert, der Ausgang bleibt ungewiß. Die Geschichte ist bei allen Elementen der Unterhaltung durchzogen von philosophischen Gedanken, die nicht belehrend sind sondern sich ganz im Hintergrund in die Gedanken des Lesers einschleichen – am Ende ist er ebenso verzaubert wie die Besucher des Zirkus.



Und jetzt - kurz mal nachdenken: wann waren Sie das letzte mal in der Nähe von Zuckerwatte und kandierten Äpfeln?

Sunday, 5 August 2012

Frühlingspause

Ich weiß, ich weiß, der Buchladen Blog ist kurzfristig eingeschlafen - eine Art Frühlingspause, doch jetzt ist alles wieder in Arbeit. Für den mal regnerischen, mal heissen Sommer entstand ein Gefühl von Wasser. Ein Haufen Kieselsteine und etwas Treibholz ergeben eine Flußlandschaft, in die sich einige
Bücher unerwartet gut einfügen!

Anstatt an dieser Stelle etwas vorzustellen, was mir gut gefallen hat, gibt es ausnahmsweise einen Kommentar der anderen Art, zum derzeitigen Phänomen des Buchmarktes: Fifty Shades of Grey, die Sensation aus den USA. Ein S&M Buch, geschrieben von einer Hausfrau, die jetzt einige Millionen reicher ist. Der Wunsch, sich über so ein viel diskutiertes Werk selbst ein Urteil zu bilden führte zu der Qual auch nur eine Seite davon lesen zu müssen.

 Selten ist mir etwas so entäuschend langweiliges untergekommen. Ich staune, daß Jahrzehnte nach "der Geschichte von O" ein solch braves Buch einen derartigen Sturm auslösen kann. Schon der "unanständige" Vertrag zwischen Meister und Sklavin beinhaltet fürchterlich aufregenden Dinge: sie verpflichtet sich, gut zu essen und zwischen den Mahlzeiten nicht zu Schokolade zu greifen. Wow! Blättert der gelangweilte Leser nun weiter, in der Hoffnung, es werde doch noch spannend, wird er herbe enttäuscht werden. Das Buch ist so brav und harmlos wie der Vertrag selbst und ebenso glatt wie die langweilige Schönheit des Helden.

Wer etwas aufregendes lesen will, nehme den Klassiker dieser Art von Literatur: die Geschichte der O, von Anne Desclos unter dem Pseudonym Pauline Réage verfasst und 1954 veröffentlicht. Dieses Werk ist wohl immer noch unübertroffen und war damals wirklich mutig!

Viel Spaß damit - wir hoffen auf einen sonnigen August mit viel Zeit zum lesen...

Thursday, 12 April 2012

Thursday, 12 January 2012

Neues Jahr

Nachdem die Weihnachtshektik jetzt weit weit hinter uns liegt, können wir kurzfristig durchatmen. Das ist auch besser so, denn jeder, der das fortgeschrittene Alter von zwölf Jahren überschritten hat, weiß sehr wohl, das übermorgen Ostern ist und dann ist ja auch schon wieder - wie könnte es anders sein - Weihnachten!
Nun denn. Um mich von diesen Ostern-ist-übermorgen Gedanken abzulenken, denn es herrscht schließlich eher nasser Frühling als vernünftiger Winter, habe ich zumindest im Schaufenster Eis und Schnee verteilt. Meine Kunden stehen mit Latte vom Kaffee neben an davor, ohne Mütze und Handschuhe, und frieren in Gedanken mit den verrückten Abenteurern, Forschern und anderen Verirrten die sich in die Polarwildnis gewagt haben. Eine der spannendsten Geschichten, die ich kenne, ist Alfred Lansing: 635 Tage im Eis. Darin beschreibt er Shackletons unglaubliche Reise in die Antarktis - Schiff im Packeis, Schiff gesunken, alle Mann auf Eisschollen treibend, für zwei Polarwinter, in Knickerbocker Hosen und Wollpullovern - man kann es nicht glauben. Da ich jemand bin, der in James Bond Filmen die Augen zu macht, zieht mich hier besonders an, daß am Ende alles gut wird!
Also. Stellen sie die Heizung ab, machen Sie das Fenster auf, tun Sie so, als sei Winter - und lesen Sie dazu etwas über die Kälte. Viel Spaß, und denken Sie daran: Übermorgen ist Ostern!

Sunday, 18 December 2011

Ach du Schreck,



es ist vierter Advent! Wie konnte das nur passieren? Gerade gestern, davon bin ich überzeugt, war noch Sommer. Man siehe meinen letzten Eintrag. Auch hier bei Grimms Buchladen kommt mangels Schnee keine rechte Weihnachtsstimmung auf – meine Kunden, die mich gestern zahlreich überfielen, kaufen vorwiegend sommerartige Bücher, so wie das neue Werk von Siri Hustvedt, das ganz unpassend zur Jahreszeit, der Sommer ohne Männer heißt. Ilja Trojanows EisTau, mit einem schön gestalten Gletscherbild auf dem Titel, bleibt dagegen unbeachtet.



Dennoch: die ersten Anzeichen des BuchladenWeihnachtsWahnsinns sind nicht zu übersehen. Gestern hatte ich schon in der ersten Viertelstunde sieben Geschenke verpackt, ein Trend der sich, so fürchte ich, den Rest der Woche ungebrochen fortsetzen wird. Neulich fragte mich jemand (ganz ernsthaft!) ob es keine Einpack-Maschine gäbe. Die gibt es allerdings – sie heißt: Anna.

Für Kunden mit Ausdauer packe ich zur Zeit Jeffrey Eugenides: Die Liebeshandlung ein. Mit über 600 Seiten sollte das selbst dem eifrigsten Leser über die Feiertage reichen. Ich selbst habe gerade keine rechte Meinung auf Romane und werde mir zu Weihnachten Werner Herzog: Die Eroberung des Nutzlosen schenken. Eine Art Tagebuch seiner Dreharbeiten zu Fitzcarraldo, direkt aus dem Dschungel, ein Gedankenstrom geprägt von der bizarren Situation eines Filmteams im Urwald und der täglichen, surrealen Realität der Arbeit mit Klaus Kinski. Paßt überhaupt nicht zur Jahreszeit. Nun ja…

Dust of Snow

The way a crow
Shook down on me
The dust of snow
From a hemlock tree

Has given my heart
A change of mood
And saved some part
Of a day I had rued.

Robert Frost

Fröhliche Weihachten!

Saturday, 30 July 2011

Sommer: abhanden gekommen!



Wo ist hier der Sommer, fragt mich zur Zeit fast jeder der durch die Tür kommt. Ich kann sagen: in Ägypten. Ich verbrachte dort einige Zeit mit einem Haufen Italienern, die mir, wie könnte es anders sein, lange Vorträge über die Kultur des Essens hielten. Man merke: die italienische Küche ist die beste der Welt. Ende der Diskussion. Weshalb das so ist, hat man mir ausführlich erklärt: jedes Dorf hat seine eigene, regionale, Spezialität. So. Basta.

Da kann man sich nicht wundern, daß mein Schaufenster diesmal voll mit Cantuccini, Pesto (Genovese – sehr wichtig!) und anderen essbaren Dingen ist, dazu Bücher aus dem Heimatland der Antipasti. Endlich verstehe ich auch, wie es kommt, daß in den Büchern italienischer Autoren permanent gekocht und gegessen wird, so daß man als Leser sofort Lust bekommt seine Freunde einzuladen, sich von Freunden einladen zu lassen, oder die nächste Osteria zu besuchen.



Bestes Beispiel sind die Kriminalromane des Sizilianers Andrea Camilleri. In „Die schwarze Seele des Sommers“ schägt Enzo, der Wirt, Commissario Montalbano folgendes leichtes Mittagessen vor: ein großer Teller Antipasto di Mare mit Garnelen, Krebsen, Kraken, Sardellen, Sardinen, Miesmuscheln und Venusmuscheln, gefolgt von einem Hauptgang von Meerbarben mit kleinen Zwiebelchen, gefolgt von Zitronensorbet. Schon Hunger bekommen?
In Camilleris Fall ist dies die perfekte Lösung für den überdurchschnittlich heißen Sommertag. Mir ist klar, daß das im Augenblick weit, sehr weit entfernt ist von der Realität meiner Kunden, aber man könnte ja, möglicherweise, in Abwesenheit des Sommers über den Sommer lesen?



Ich jedenfalls habe glücklicherweise eine der wenigen Sonnenstunden letzte Woche ausgenutzt und beim Italiener an der Ufer-Ecke gegenüber ein perfektes, italienisch-einfaches, sommerliches Abendessen erwischt, siehe oben. Meine Freunde aus Genoa und Rom hätten dazu sicher etwas zu sagen. Eines habe ich gelernt: jeder einzelne Italiener hat eine Meinung zu dem was auf den Tisch kommt, oder kommen sollte. In Büchern ebenso wie anderswo.

Übrigens: die Bücher im Fenster sind verkäuflich, die Cantuccini essen wir selbst...

Thursday, 26 May 2011

Alles neu…



Macht bekanntlich der Mai, so auch das Grimms Buchalden Schaufenster. Nachdem sich in meinem Hirn die große Schaufenster-Idee-Leere ausgedehnt hatte, haben wir dieses Mal einen eher schlichten Ansatz: lauter blaue Bücher. Ist auch mal was anderes, sage ich mir.

Inzwischen haben wir Hitzewelle – ich befürchte der Kälteeinbruch folgt zur Strafe im Juni, und schlage dem entsprechend vor, sich schon mal mit dem richtigen Lesestoff zu rüsten. Vor einiger Zeit habe ich im vorbeigehen am Flughafen ein Buch mitgenommen: Chris Cleave „The Other Hand“, auf deutsch als „Little Bee“ erschienen. Was ich mir so zum nebenbei lesen gedacht hatte entpuppte sich als eine exzellent geschriebene Geschichte, die einen so schnell nicht los läßt. Das Thema ist hart, es geht um das Schicksal eines jungen Mädchens aus Nigeria, eine Flüchtlingsgeschichte die auch die Brutalität und Verzweiflung solcher Schicksale enthält, das aber nicht zum Hauptthema macht. Im Augenblick ist diese Art Literatur recht häufig – was mir hier besonders gefiel, ist die undramatische Art mit der die Hauptfigur, Little Bee, erzählt. Sie hat eine ganz eigene Stimme, eine, die man nicht so leicht vergißt. Dabei geht es besonders um die Ohnmacht derer, die Zeugen ihres Schicksals werden, und doch in ihre heile Welt zurückkehren müssen. Wo hört helfen auf, wo fängt es an? Was kommt danach? Eine schwierige Frage. Die meisten von uns sind froh, diese Art Entscheidung nie treffen zu müssen. Wunderschön, auch traurig, aber nicht niederschmetternd.

Wir hatten dieses Buch schon seit einigen Monaten im englischen Original – nun ist es auf die deutsche Bestsellerliste geklettert. Das freut mich! Ein neues Schaufenster gibt es im Juli. Rot? Gelb? Mal sehen…

Sunday, 27 February 2011

Frühling: Jetzt!



Seit einer Woche weckt mich die Sonne. Jeden Morgen denke ich – denn die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt – aaach, wie schön, keine Winterjacke! Nun. Der Mensch im Radio hat schlechte Neuigkeiten: Montag -12°C, Dienstag -9°C, Mittwoch -11°C….usw. Inzwischen ist Sonntag und ich habe beschlossen den Frühling herbeizuführen indem ich im Schaufenster damit anfange. So eine Art Regentanz, nur mit Blumen.

Nachdem ich stundenlang alles (inklusive mir selbst) im Laden bemalt habe, ist fraglich inwieweit das Projekt von Erfolg gekrönt ist – es ist zwar wärmer, aber nun ist die Sonne weg. Das Café Goldmarie nebenan hat dennoch begonnen mich bei meiner Aktion zu unterstützen und schon mal hoffnungsvoll die Tische herausgestellt. Also: Wir sind bereit!



Kunden könnten ihrerseits an der Frühling: Jetzt! Kampagne teilnehmen indem sie etwas heiteres lesen. Ich war vor kurzem in den USA und traf dort eine Frau die tatsächlich den ganzen Appalachian Trail gewandert ist. Nun muß man dazu wissen daß der Appalachian Trail einer der längsten Fernwanderwege der Welt ist – 3500km! Zu Fuß! Das dauert. Allerdings ist dem Menschen bekanntlich eine erstaunliche Fähigkeit zu Optimismus und – nun ja – Selbstüberschätzung gegeben. So machte sich Bill Bryson, einer der amüsantesten Reiseautoren überhaupt, eines Tages auf den Weg zum nächsten K-Mart um sich für die 3500km auszurüsten. Was dann folgt, ist so heiter, verrückt, und unsinnig, das man beim Lesen lauthals lachen muß. Trotzdem möchte man am Ende des Buches nur eins: sofort einen Rucksack packen und auf den Trail ziehen. Eine Freude für alle, die es lieben zu wandern, wie auch für die, die sich nichts Schrecklicheres vorstellen können.

Die Cafétische stehen bereit, im Schaufenster scheint die Sonne, fehlen nur noch meine Kunden, die mit einem Buch in der Hand nebenan sitzen.

Also?

Wednesday, 12 January 2011

Neues Jahr, neues Fenster



Es ist so weit: das erste Schaufenster des Jahres ist dran. Nachdem ich einige Tage mit seufzen verbracht hatte – so im Stile von: ohhhhh, ich muß das Fenster ändern – oh je, was mache ich nur – oh nein, mir fällt nix ein – bahnte sich ein schwaches Bild an. Das ist in der Realität meist noch sehr vage, fast wie in weiter Ferne. Aus dieser Ferne im Kopf entstand ein einziger Hinweis: dunkelblaues Papier. Für den Hintergrund. Ab zum Hermannplatz, wo es dunkelblaues Papier nicht gab, nur schwarzes – also ist das Fenster nun schwarz weiß, was mir in seiner Strenge gut gefällt.

Inhaltlich geht es diesmal um Lyrik. Das liegt zunächst daran, daß ich es nach gefühlten acht Jahren endlich geschafft habe, neue Gedichtkarten zu produzieren. Die sind teilweise deutsch, teilweise englisch - wieder einmal freue ich mich über das deutliche Interesse meiner (offensichtlich hochintelligenten) Kunden am englischen Original. Meine Lyrik-Laune begann mit einer versehentlichen Entdeckung: ich wollte einer Kundin die schönen Reproduktionen von diversen Kunstwerken im Insel Büchlein „Leise rieselt der Schnee“ zeigen. Dabei las ich zum ersten Mal das Gedicht An deiner Seite von Ernst Penzoldt. Wunderschön! Hier also einige ausgewählte Gedichte von unseren „Grimms Post“ – Karten.

Viel Freude!






An deiner Seite

Ich will
An deiner Seite
Still
Über beschneite
Wege gehen,
tief in das unbekannte Weiße,
und alle Spuren sollen hinter uns verwehn.
Dir werden Flocken leicht im Haare hangen,
in Deinem Lächeln sich verfangen,
in blauem Atem glitzern und zergehn.
Du bist so leise,
als könntest du verstehn,
daß wir schon lange nur auf Flocken schreiten
und endlos fallend aus den Ewigkeiten
ins Grenzenlose sanft herniedergleiten.

Ernst Penzoldt







Dust of Snow

The way a crow
Shook down on me
The dust of snow
From a hemlock tree
Has given my heart
A change of mood
And saved some part
Of a day I had rued.

Robert Frost







Der weiße Reiher

Weiß fällt ein Reiher ein auf herbstlichen See,
Gleich einem Tropfen Tau, der niederweht.
Reglos mein Herz und ihm nur zugewandt,
Der einsam dort am Rande der Sandbank steht.

Li Tai-Bo

Thursday, 23 December 2010

Feiertage



Es ist sicher: Weihnachten bleibt weiß. Grimms Buchladen, das Café Goldmarie und der Zeitungskiosk haben die letzten Wochen damit verbracht, Schnee zu schaufeln. Das läuft so ab: Mehmet (Kiosk) schippt um 6:00 Morgens den Weg zum ersten Mal frei. Gegen acht ist er wieder zugeschneit, jetzt holt Falk (Café Goldmarie) die Schaufel raus. Kaum fertig, kommt der Schnee vom Dach. Anna (Grimms Buchladen) ist an der Reihe. Beliebig wiederholen. Es stellt sich die Frage: wohin mit dem ganzen Schnee? Das eine oder andere Fahrrad ward nicht mehr gesehen. Aber wer braucht bei dem Wetter auch sein Fahrrad? Was man braucht, ist ein Buch!



Gerade bin ich unschlüssig, und springe zwischen Autoren, Zeitungen, Romanen hin und her. Irgendwie bin ich auf der Suche nach etwas, das zum Wetter paßt. Am liebsten wäre mir, es ginge in die Richtung von Molly Gloss „ Hearts of Horses“. Dieses Buch hatte ich mal am Flughafen mitgenommen, in der Annahme, pure Unterhaltung zu kaufen. Weit gefehlt: hinter dem leicht kitschigen Titel verbirgt sich eines der schönsten Bücher des Jahres. Eine junge Frau kämpft sich in der Pionierzeit im Westen der USA in einem Männerjob durchs Leben: sie reitet Pferde zu. Molly Gloss besticht durch die Schönheit ihrer einfachen, direkten Sprache und der ebenso einfachen und klaren Geschichte. Eigentlich geht es immer nur um das Wetter, die wilde Natur, die Berge, die wortkargen Menschen. Trotzdem ist es von der ersten Seite an fesselnd. „The daylight was thin, a cold and wintry light, and it pulled all the color out of the man’s face.” Ein bisschen wie Cormack McCarthy, aber mit Hoffnung. Leider nur auf Englisch!

Der heitere Roman des Moments ist wohl Wolfgang Herrndorf: „Tschick“. Eine Road-Geschichte um zwei Jungs und einen geknackten Lada. Ein Buch, das Jugendliche wie Erwachsene zum Lachen bringt und einfach Freude macht – ob es stimmt, werde ich über die Feiertage herausfinden.

Apropos Feiertage: Grimms Buchladen hat bis zum 6 Januar von 12:00-16:00 geöffnet.

Fröhliche Weihnachten!

Saturday, 4 December 2010

Schnee in Kreuzberg



Kreuzberg hat es erwischt: der erste Schnee, noch vor dem ersten Dezember. Bei Grimms Buchladen herrscht Einigkeit: wir finden es wunderschön. Die Stimmung der Kunden angesichts eingeschneiter Autos und Fußwegen ist eher gemischt. Paßt aber gut zum Schaufenster – schließlich ist Weihnachten!

Da fragt man sich, was man dieses Jahr so lesen könnte. Der ultimative Weihnachts-Renner, den alle Leute haben möchten, so im Stile von Zafons Im Schatten des Windes vor ein paar Jahren hat sich bisher noch nicht so recht gezeigt. Das letzte Buch, was mich wirklich beeindruckt hat, war Eric Price: Cash. Am Ende der ersten Seite trifft man auf einen Satz, nachdem für mich feststand, daß sich das Lesen dieses Buches schon jetzt gelohnt hat. Eric Price, eigentlich ein furioser, preisgekrönter Drehbuchautor, schreibt über das New Yorker Kleinganoven-Kleinpolizisten Milieu, so treffend, das man schon nach wenigen Sätzen das Bild, das Gefühl, die Essenz der Menschen dieses Viertels vor Augen hat. Spannend, exzellent geschrieben, eine Freude.



Meine neue Krimientdeckung ist eigentlich schon alt, eifrige Krimi-Leser werden müde abwinken. Ein Freund sagt mir, das seien Bücher für Männer, die müßte ich lesen. Die Rede ist von Lee Childs Krimi Reihe, inzwischen gibt es schon so etwas wie 12 oder 13 – ich sage ja, eine späte Entdeckung! Jedenfalls: sein Held, Jack Reacher, ist ein harter, aber intelligenter Kerl. Einer, der sein Leben ganz anders lebt. Der Männern und Frauen gleichermaßen gefällt, denke ich - spannend, tough, sehr gut geschrieben. Ich habe meine Theorie, hier ein super Männer-Empfehlungsbuch gefunden zu haben, gleich an einem Freund getestet (mit Band eins: Größenwahn). Der wollte nur kurz ein paar Seiten lesen und wurde auf Seite 120 zu seinem Unmut vom Abendessen unterbrochen. Den Rest des Wochenendes war er zu nix mehr zu gebrauchen, also: Vorsicht beim verschenken!

Wer sich durch den Schnee kämpft, wird am vierten Advent mit Glühwein und Pfefferkuchen von uns belohnt: Sonntag, 19 Dezember, 15:00-18:00.
Alle mutigen Winter-Abenteurer sind herzlich eingeladen!